On tour: Echt stark! EMOTION Konferenz re:work.re:balance.

Wie oft habe ich im vergangenen Jahr nach der Geburt meiner Tochter gedacht, über Superkräfte zu verfügen und über mich selbst hinausgewachsen zu sein. Ebenso gab es aber auch die Momente, in denen ich mich kraft- und mutlos fühlte und mich fragte, was ich verändern kann. Da traf es sich gut, dass vergangene Woche in Hamburg eine Konferenz stattfand unter dem Motto “Was starke Frauen anders machen”. Ich war eingeladen zur re:work. re:balance. 2016 und freue mich darüber zu berichten.

Die Gastgeber – von Frauen für Frauen

Die Konferenz, die schon zum dritten Mal stattfindet, wird von EMOTION-Verlag, der auch das gleichnamige Frauenmagazin einmal pro Monat veröffentlicht, veranstaltet. Hauptsponsoren sind VICHY Laboratoires sowie Danone ACTIVIA.  

Powerfrauen, zwischen Beruf, Familie und eigenen Ansprüchen

Die Teilnehmerliste führt gut 100 Namen auf und nach den ersten Kontakten wird deutlich, dass ihre Vitae teils sehr unterschiedlich sind: Gestandene Unternehmerinnen, Gründerinnen, Frauen in Führungs- und Nachwuchspositionen, aus der Wirtschaft bis hin zum sozialen Bereich, von Anfang 20 bis Ende 50, mit oder ohne Kinder. Ich bin wirklich überrascht über die gelungene Mischung an Teilnehmerinnen, die diese Konferenz anzieht.

Location – Nordic design

Über den Dächern Hamburgs

Modern, geschmackvoll und chic, so mögen es Frauen, zu tagen: Die 7. Etage des Scandic Hamburg Emporio mit wunderbarem Blick über die Hansestadt. Besonderes Schmankerl, das Hotel bekommt ein Gesicht, denn auch die Hoteldirektorin Madeleine Marx übernimmt einen kurzen Slot, in dem wir mehr über sie und ihre Geschicke im Hotelmanagement erfahren.

Ein Format mit ganz viel Power

Zunächst erinnern die Räumlichkeiten an eine klassische Konferenz: Ein großer Saal, vorne die Bühne und die Teilnehmerinnen lauschen in Sitzreihen. Das Format ist jedoch weit weniger klassisch: Der Tag teilt sich in 6 Topics, die jeweils mit kurzen Filmen – flott geschnitten und laut mit Musik hinterlegt – eingeleitet werden. Es folgen jeweils sehr kurze, inhaltsreiche Impulsen mit Frauen im Interview, im Solo-Auftritt oder in kleinen Gesprächsrunden.   

Das Programm

Dass Anke Rippert, Geschäftsführerin und Gesellschafterin EMOTION-Verlag, die Konferenz nach einem Wahlsieg von Donald Trump eröffnen wird, hätte sie vor einigen Wochen beim besten Willen nicht geglaubt. Doch aus Niederlagen Kraft zu schöpfen und weiter an seine Stärke zu glauben, ist ebenso Thema der Konferenz und somit als Aufhänger und Einstieg in den Tag bestens geeignet.

rework rebalance 2016

Topic 1: “Mutig sein, das kann man lernen.”

Harriet Minter, Leadership Expertin und Journalistin bei “The Guardian”, ist die erste Powerfrau auf dem Podium. Sehr humorvoll und ehrlich berichtet sie von ihren Erfahrungen und Beobachtungen im Führungsverhalten von Frauen und Männern. Ihre erste Lektion für uns: Lerne zu scheitern! Sie hat diese Tugend wöchentlich in ihrer Yoga-Klasse geübt, und rät auch uns, einen persönlichen Raum zu schaffen, in dem wir regelmäßig lernen, zu scheitern. Zweitens: Sei von deinen Stärken überzeugt, dann bekommst du auch ein “Ja” zu deinen Ideen, auch wenn es dich vorher mehrere “Neins” gekostet hat.

Auch die zweite Speakerin überzeugt mit ihrem Mut. Annette Mützel ist eine Pionierin in der Gastronomie: Sie war die Chefin des ersten Burger Kings in Deutschland, verantwortete die Einführung der Hotdogs bei IKEA und war zuletzt im Vorstand bei Nordsee. Sie schildert uns eindrucksvoll, wie sie die Positionen jeweils übernommen hat, ohne recht zu wissen, was auf sie zukommt. Frei nach dem Motto “just do it” hat sie sich den Herausforderungen einfach gestellt und sie mit Unterstützung toller Teams und gegenseitigem Respekt erfolgreich gemeistert.

Topic 2: “Mein schönes, volles Leben”

Familie, Berufe und Zeit für die eigenen Bedürfnisse, da dürfte ein Tag gern mal mehr als 24 Stunden haben! Gut, dass es Konzepte gibt, die konkrete Lösungen für dieses Dilemma bieten: Angela Schmidt von Notfallmamas organisiert professionelle Kindernotfallbetreuung, an deren Kosten sich der Arbeitgeber im besten Fall beteiligt, weil ja die Mama wie geplant zur Arbeit gehen kann. Jana Tepe und Anna Kaiser bieten mit Tandemploy Lösungen an, die das Arbeit im Jobtandem ermöglichen. Also zwei Personen teilen sich mit jeweils reduzierter Stundenzahl eine verantwortungsvolle Vollzeit-Stelle. Beide Konzepte sind zukunftsweisend und genau nach meinem Geschmack!

Wie wichtig Unterstützung und eine gute Organisation sind, zeigt auch der Beitrag der Französin Myriam Bekkar-Schneider. Die General Managerin bei Vichy International jongliert täglich zwischen Job und Familienalltag mit 3 Kindern. Sie hat uns ihren Tagesablauf mitgebracht, der sich zwischen 5:30h und 23:30h abspielt. Allein das geringe Schlafpensum übersteigt meine Vorstellungskraft. Ihrem Alltag kann ich aktuell leider nichts Positives abgewinnen, stattdessen hänge ich gedanklich noch im Jobtandem. Mir gefällt jedoch ihr Ritual der blauen Stunden, “l’heure bleue”, das sie täglich am Abend für eine 5-minütige Atemmeditation nutzt. Kraftvoll atmen wir zum Schluss des Vortrages im Stehen konzentriert gemeinsam ein und aus.

Mit neuer Kraft geht es in die erste Pause, die ich für ein Interview mit Jana und Anna von Tandemploy nutze. Hierzu also bald mehr :-).

Topic 3: “Lean in: together”

Den ersten Teil dieser Session verpasse ich leider, da ich noch in dem Interview mit Tandemploy stecke. Ich lass mir später sagen, dass Harriet Minter die Bühne ein zweites Mal gerockt hat. Auch der Beitrag von Dr. Birte Gall, Gründerin und Geschäftsführerin der Berlin School of Digital Business, die als beste Netzwerkerin angekündigt ist, muss leider ausfallen.

Zu Kerstin Plehwe bin ich zurück im Konferenzraum. Den ganzen Tag schon zog sich das Entsetzen über die Wahlniederlage von Hillary Clinton und ihre Folgen wie ein roter Faden durch die Veranstaltung, jetzt steht eine auf der Bühne, die quasi live dabei war. Sie begleitete den Wahlkampf von Clinton, ist gefragte Kommunikations- und Leadershipexpertin und ausgebildete Rangerin im Kruger Nationalpark. Ihre Botschaft ist trotz der Enttäuschung und Erschütterung über den Wahlausgang eindeutig: “stronger together”! Es brauche die Kraft der Gemeinschaft, die für bestimmte Werte steht und auch dafür eintritt. Dafür sei jedoch mehr nötig, als die reine Teilnahme an Frauenkonferenzen. Es brauche Mut, aus der Komfortzone herauszutreten, für die eigene Meinung einzustehen und authentisch zu sein! Schade, dass es trotz dieser Powerfrau nicht zu einem Wahlsieg von Hillary gereicht hat.

Topic 4: “Sich für andere einsetzen”

Dass sich starke Frauen auch für die Stärkung weit weniger privilegierter Frauen und Mädchen einsetzen müssen, zeigt die nächste Session. Maria Bobenrieth nimmt uns mit auf eine Reise durch ihr aufregendes Leben sowie ihr Engagement als Executive Director für die WOMEN WIN Foundation. Mit Fotos aus Laos, Nepal, Kenia, Bangladesch, Indien oder Uganda erzählt sie uns, wie der Zugang zum Sport für Millionen von Frauen und Mädchen zu wichtigen Führungserfahrung wird. Häufiger aus Routinen auszubrechen und den Spaß am Spiel zurück zu gewinnen ist auch ihre Botschaft an uns, bevor es in die Mittagspause geht.

re:balance-Programm

Nach dem gemeinsamen Mittagessen heißt es entspannen und neue Energie tanken: Neben Office-Yoga mit den Mädels von Pausenkicker, steht ein Mittagsspaziergang mit dem Verlagshund Franz, ein Achtsamkeitstraining mit der Diplom-Psychologin Anja Hessenius oder ein Workshop mit EAT TRAIN LOVE-Bloggerin Kristin Woltmann-Pahl zur Auswahl. Der Workshop “Sei die beste Version von dir”, für den ich mich entscheide, ist auf Kristins Blog ausführlich zusammengefasst.

Speakers’ Corner

Zurück im Konferenzraum haben drei Frauen das Wort, die sich um den Rede-Slot beworben haben. Nicola Verstl, Stiftungsmanagerin, hätte genauso gut zu “Mein schönes, volles Leben” referieren können, denn die Mutter von zwei Kindern hat neben ihrer Arbeit für die Hamburger Kunsthalle, selbst eine Stiftung gegründet: Kulturglück ermöglicht Menschen mit Unterstützungsbedarf den Zugang zu Kultur. Ein kurzer, energiegeladener Einblick in ihr volles Leben mit praktischen Tipps zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

“Guten Tag! Ich bin Anne Cohrs, ich bin 38 und ich bin angekommen” mit dieser klaren Ansage wird die zweite Speakerin angekündigt. Anne berichtet sehr ergreifend von zwei bedeutenden Wendepunkten in ihrem Leben, die sie lehrten inne zu halten, zu hinterfragen und dem Leben und seinen Unwägbarkeiten zu vertrauen.

Katharina Afflerbach nimmt uns schließlich mit auf die Alm. In poetisch geschriebenen Kurzgeschichten erleben wir ihren Alltag als Sennerin, den sie 3 Sommer für mehrere Monate erleben durfte, und der sie zu ihrem persönlichen Gipfelglück führte.

Gipfelglück.Katharina Afflerbach

Topic 5: “Das Original sein, nicht die Kopie”

Mit Chitra Stern, Gründerin und CMO der Martinhal Resorts in Portugal, betritt eine Frau die Bühne, die ein besseres Produkt als ein klassisches Familienressort à la Robinson, Aldiana oder Club Med schaffen wollte. Gemeinsam mit ihrem Mann und vier Kindern hat sie fast 10 Jahre für ihren Wunsch von einem Design-Hotel für Familien, das Top-Service mit entspanntem Luxus vereinbart, gekämpft. Ihr Weg war steinig und es gab zahlreiche Herausforderungen zu meistern, doch darin sah sie stets eine Chance zu wachsen. Sehr beeindruckend!

Ein weiteres Original ist die zweite Speakerin: Petra Heidenfelder, Fachanwältin für Insolvenz- und Arbeitsrecht und Niederlassungsleiterin einer Großkanzlei. Mit ihren Erfahrungen und Anekdoten aus einer Männerdomäne bringt sie uns sowohl zum Lachen als auch zum schweigenden Kopfschütteln. Sie erzählt uns von ihrem großen Engagement für die Menschen, die in der Insolvenz stecken, was ihr den Titel der “Sozialtante” in der Branche eingebracht hat. Na und, diesen lebt sie nun mit vollem Stolz aus!

Topic 6: “Öfter Ja sagen”

Zum Ende des Tages lernen wir mit Edina Müller, zweifache Medaillengewinnerin bei den Paralympics in London und Rio, öfter “Ja” zu sagen. Die Ausnahmesporterlin lebt frei nach ihrem Lieblingsspruch: „Alle sagten: Es geht nicht. Bis einer kam, der das nicht wusste – und der hat es dann einfach gemacht.” Sie ist ein eindrucksvoller Beweis, was im Leben alles möglich ist, wenn man an seine Stärken glaubt und ein Umfeld hat, das einen stark macht.

Nach ein paar kurzen abschließenden Worten des Veranstalters gibt es Sekt und die letzte Möglichkeit, zu Netzwerken. Da wir an diesem Tag auch viel über das Kennen und Achten der persönlichen Grenzen gehört haben, sind für mich meine Grenzen erreicht. Ich möchte nach Hause zur Familie, die müden Füße hoch-, den erkältungsgeplagten Kopf ablegen und die Erlebnisse und Anregungen erst einmal sacken lassen.

Networking-Faktor

Wie wichtig Networking ist, hören wir mehrfach vom Podium. Ich für meinen Teil hätte mir daher mehr Gelegenheit gewünscht, Teilnehmerinnen persönlich kennenzulernen. Ein guter Auftakt bot das “Speed-Dating mit Visitenkarten”, das zwei Mal stattfand. Hierüber bin ich mit 7 Frauen in sehr engen Austausch gekommen. Die übrigen Teilnehmerinnen galt es dann in den Pausen anzusprechen, die zwar regelmäßig eingeplant, aber gefühlt dann doch immer zu kurz waren. Damit der Networking-Gedanke auch nach der Veranstaltung weiterlebt, wäre mein Tipp: Eine XING-Gruppe zur re:work, wo sich die Teilnehmerinnen auch über die Konferenz hinaus vernetzen und austauschen können.

Mein persönliches Fazit

Wer bei lauter Namen im Programm nicht den Überblick verloren hat, kommt auf 16 Speakerinnen + 5 Moderatorinnen! Das ist definitiv mein Rekord bei einer eintägigen Konferenz. Das Format war verdammt schnell, intensiv und abwechslungsreich. Wahrscheinlich hätte jedes Topic auch mit einer Referentin weniger stattfinden können, um den Impulsen mehr Zeit und Tiefe einzuräumen. Doch müsste ich an dieser Stelle entscheiden, wen streichen, das würde mir verdammt schwer fallen! Denn gerade der Mix an Speakerinnen aus sehr unterschiedlichen Branchen in verschiedenen Phasen ihres Lebens haben diese Konferenz ausgezeichnet. Überrascht war ich zudem über die hohe Internationalität und Aktualität, was im vergangenen Jahr noch nicht der Fall war, und was der Konferenz qualitativ sehr gut tat. Zudem war die Stimmung ausgelassen und über weite Teile persönlich. Da nun auch der Knoten in meinem Kopf gelöst und der Input gut sortiert ist, mein Fazit: Echt stark und sehr inspirierend!


Herzlichen Dank für die Einladung, liebes EMOTION-Team. Ich bin schon sehr gespannt auf das Thema und Line-Up zur #rework2017. Ich komme gerne wieder!

Weitere Infos zur Veranstaltung:

www.emotion.de/rework

www.facebook.com/emotionmagazin/

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