10 Dinge, die ich über die Digitalisierung gelernt habe

Wenn ich sehe, wie meine 3-jährige Tochter mit meinem Smartphone umgeht, mit Lego Duplo experimentiert oder neugierig und im sozialen Miteinander die Welt erobert, bin ich mir sicher, dass sie in einer zunehmend digitalisierten Welt ziemlich gut zurecht kommen wird. Wir Eltern, die einer ganz anderen Generation angehören, müssen uns viele dieser Fertigkeiten und Kompetenzen erst (wieder) aneignen – auch um unsere Kinder in der neuen digitalen Welt verantwortungsvoll begleiten zu können.

Doch nicht nur als Mutter, sondern auch aus fachlicher Sicht beschäftigt mich die Digitalisierung. Denn kaum ein anderes Thema wird aktuell so heiß diskutiert, wie die Veränderungen, die die Digitalisierung in der HR-Welt anstößt (siehe: brand eins 09/2018 Schwerpunkt: Personal oder Business Punk 04/2018 Dossier: Human Resources). Ich habe mich deshalb sehr über die Einladung zu Deutschlands größtem Digitalisierungskongress, der solutions.hamburg im September gefreut. Ich hatte drei tolle Tage und habe viel gelernt. Folgende 10 Punkte möchte ich gern mit Euch teilen:

  1. Digitalisierung ist menschlich:
    Die Digitalisierung ist kein reines IT-Thema, sondern es geht um die Menschen! Diese Aussage zieht sich mit dem Schwerpunktthema „Digitalisierung ist Mannschaftssport“ durch die gesamte Konferenz. Zahlreiche Workshops und Vorträge behandeln Themen, wie bereichsübergreifende Zusammenarbeit, Führung oder die zunehmende Bedeutung von menschlicher Kreativität und sozialer Intelligenz im Zuge der Digitalisierung. Zudem wird insbesondere bei den beiden Keynote-Speakern Ranga Yogeshwar und Sascha Lobo deutlich, dass wir mit dem Einsatz von Digitaltechnologien weniger auf technische Probleme, sondern viel mehr auf soziologische und gesellschaftliche Probleme stoßen werden.

 

  1. Digitalisierung ist gesellschaftlich relevant:
    Eine aktuelle Studie des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung kommt zu dem Ergebnis, dass als Folge der Digitalisierung in Deutschland bis 2035 rund 1,5 Millionen Arbeitsplätze abgebaut werden. Zwar sollen ebenso viele neue Arbeitsplätze durch die Digitalisierung entstehen, aber es ist klar, diese Entwicklungen werden unsere Gesellschaft mächtig durchrütteln. Sascha Lobo und Ranga Yogeshwar formulieren es als Gefahr einer Spaltung der Gesellschaft in wenige Profiteure des Technologiebooms und eine wachsende Gruppe derer, die am ökonomischen und gesellschaftlichen Fortschritt nicht mehr partizipieren. In beiden Keynotes wird an uns „Sachkundige“ appelliert, unsere Verantwortung in diesem Fortschritt zu übernehmen. Der Senator der Hamburger Behörde für Kultur und Medien, Dr. Carsten Brosda, spricht in seiner Keynote konkret vom digitalen Humanismus und fordert den gesellschaftlichen Diskurs über ethische Aspekte und über Spielregeln für die Digitalisierung.

 

  1. Digitalisierungs-Lust statt -Frust:
    Fröstelt es dich bei diesen Gedanken zur Digitalisierung? Dann bist du nicht allein, denn die „German Angst“ gegenüber der Digitalisierung ist laut den Experten bei vielen Menschen und in vielen Unternehmen allzu präsent. Ranga Yogeshwar appelliert hier an einen Change of Mind, also eine Haltung weg von „wir müssen“, hin zu „wir dürfen und können“ Veränderungen im Rahmen der Digitalisierung gestalten und uns den unendlich vielen neuen Möglichkeiten öffnen. Es ist wichtig die Menschen abzuholen, sie für die Digitalisierung zu begeistern, ihre Lust und ihren Gestaltungswillen zu wecken. Hierfür braucht es Führung – in der Gesellschaft, der Politik und in Unternehmen.

 

  1. Digitalisierung braucht Führung:
    Na klar, an digital Leadership geht aktuell keine Diskussion vorbei, aber was bedeutet es eigentlich? Die solutions.hamburg bietet hierzu zahlreiche Antworten in Form von Workshops und Vorträgen. Klar ist, Führungskräfte sind wichtige Vorbilder, die den Wandel mit einem entsprechenden Mindset (siehe oben) vorleben müssen. Besonders gut gefallen haben mir die Ausführungen von Ralph Siepmann von IBM Deutschland, der Management als Dienstleistung versteht, um aus betroffenen, gestalterische Mitarbeiter zu machen. Das bedeutet, dass Führungskräfte zukünftig für ihre Mitarbeiter Steine aus dem Weg räumen, sie vernetzen und gucken, was individuell gebraucht wird, damit der Mitarbeiter erfolgreich sein kann. Wie, dieses Führungsverständnis wird bei euch (noch) nicht gelebt? Da bist du nicht allein, denn in den meisten Organisationen wird ein fundamentaler Kulturwandel erforderlich sein, um in Führung und Zusammenarbeit genau solche Rahmenbedingungen zu schaffen. Übrigens, ein toller Anknüpfungspunkt für HR hier frühzeitig Verantwortung innerhalb der digitalen Transformation im Unternehmen zu übernehmen.

 

  1. Digitalisierung braucht Fachkräfte:
    Endlich, mein Herzensthema! Auch hierzu habe ich einige Erkenntnisse auf der solutions.hamburg gewonnen: Einerseits fühle ich mich stark angesprochen, da es in fast jeder meiner Sessions in irgendeiner Weise um den Mangel an Fachkräften geht. Andererseits bin ich sehr enttäuscht, denn den Themen Personalgewinnung und -bindung wird nicht eine einzige eigene Session gewidmet, und auch ein Forum zum Austausch mit anderen Personalern suche ich vergebens. Klar, das Who is Who der Personaler ist zum Zeitpunkt der Konferenz auf der Zukunft Personal in Köln, doch daran kann es doch nicht ernsthaft liegen: Wenn die größte Herausforderung im Zuge der Digitalisierung nicht unbedingt in der Technik besteht, sondern in den Menschen, die die Digitalisierung vorantreiben können, dann müssen wir hierzu Ideen entwickeln und austauschen. Zumal es viele tolle Best-Practices gibt, die Fachkräfte für die IT sichern, wie zum Beispiel das Engagement des Start-Ups neue Fische oder Develop<HER>, das Coding-Event für Frauen bei OTTO. Falls es also eine Wunschliste für die solutions.hamburg 2019 gibt, wünsche ich mir eine stärker Präsenz und Beteiligung von HRlern und den für sie relevanten Themen im Zuge des digitalen Fachkräftemangels. Ich beteilige mich auch gern mit einer Session ;-).

 

  1. Digitalisierung braucht Bildung:
    Zwar sind die Personalentwickler auf der solutions.hamburg ähnlich unterrepräsentiert wie die Recruiter, aber auch ihre Themen bieten in vielen Sessions Gesprächsstoff. Ich stimme den Experten zu, dass wir die Mitarbeiter für die Anforderungen der Digitalisierung fit machen müssen. Zudem ist ein gemeinsames Grundverständnis des voneinander und miteinander Lernens in Organisationen erforderlich, um den ständigen Veränderungen im Zuge der Digitalisierung gewachsen zu sein. Darüber hinaus brauchen wir Bildung und Weiterbildung für jene, die durch die Digitalisierung ihren Job verlieren, um sie in neue Jobs zu bringen, die besetzt werden müssen – zum Beispiel in Pflege und Gesundheit. Eine weitere Facette in dieser Diskussion ist die digitale Grundbildung vor allem an Schulen und Hochschulen, die wir dringend brauchen. Die solutions.hamburg hat hierfür ein eigenes Format, der Corporate Innovation Park, der vor dem ersten Kongresstag stattfindet und sich mit Vorträgen und Workshops spezielle an Schüler, Studenten und Start-Ups richtet.

 

  1. Digitalisierung braucht Team- und Kommunikationsqualitäten:
    Ebenso wenig, wie die Digitalisierung ein reines IT-Ding ist, sind es weniger Nerds und Tüftler, sondern Teamplayer, die wir in Unternehmen brauchen. Passend zum Motto der Konferenz „Digitalisierung ist Mannschaftssport“ wird in einigen Sessions über die „neuen“ Qualifikationen diskutiert. Grundtenor: Es braucht Menschen, die gemeinsam mit anderen Menschen bereichsübergreifend arbeiten können, die Sensibilität und Empathie mitbringen und jeden Tag offen sind für neue Entwicklungen. Auch bei dieser Forderung klingeln natürlich meine Recruiter-Ohren, denn wenn neben fachlichen Skills nun verstärkt Softskills treten, bedarf es einmal mehr professioneller Recruiting- sowie Talentmanagement-Prozesse. Hierauf muss HR vorbereitet sein!

 

  1. Digitalisierung verändert Arbeit:
    Natürlich darf die neue, agile Arbeitswelt unter dem Schlagwort New Work auf einem Digitalisierungskongress auch nicht fehlen. Hierzu nehme ich mit, dass es nicht ausreicht, von der Segnung der New Work zu schwärmen, sondern dass ehrlich gesagt werden muss, was die digitale Arbeit im Gegenzug von uns (ab-)verlangt. Auch der Entschluss, wir gründen ein Lab innerhalb einer tradierten Organisation, die machen dann die coolen innovativen Sachen, kann zu viel Ärger und Frust bei allen Beteiligten führen. Ziel sollte es daher sein Transparenz, Motivation und Sinnhaftigkeit für alle Beschäftigen zu schaffen sowie Kommunikation und Zusammenarbeit zu fördern – analog wie digital.

 

  1. Digitalisierung ist männlich:
    Leider! Sowohl auf dem Podium, als auch unter den Besuchern sind gefühlt 80% Männer. Das muss sich ändern – mit Blick auf den Fachkräftemangel, aber auch mit Blick auf die Chancen, die Digitalisierung uns Frauen bietet. Wie zuvor beschrieben wird die Arbeitswelt nicht nur digital sondern zunehmend sozial interaktiv sein. Fähigkeiten wie Empathie, Emotionalität, Kreativität und geistige Flexibilität werden wichtiger. Das sind doch typisch weibliche Stärken, oder? Eine tolle Frau, die sich genau hierfür stark macht, ist Tijen Onaran, die als Gründerin des internationalen Frauennetzwerk „Global Digital Women“ Frauen der Digitalbranche vernetzt und sichtbar macht. Ihr Impulsvortrag „Ohne Diversity keine Digitalisierung“ ist daher besonders erfreulich und erfrischend und mein Highlight zum Abschluss der solutions.hamburg. Sie spricht mir aus dem Herzen, wenn es heißt, eine Organisation muss wissen, wofür sie steht und ihre Marke mit Geschichten aus dem Unternehmen unterfüttern. Hierfür eignen sich besonders gut Social Media, die es ermöglichen, ein Unternehmen sowie die Menschen dort und die Diversity sichtbarer zu machen.

 

  1. Digitalisierung steckt an!
    Also, ich bin nach der solutions.hamburg infiziert, und hoffe, dass das Digitalisierungsfieber immer mehr HRler packt. Denn Stillstand und Abwarten sind keine Option mehr. Wir müssen in unseren Organisationen Verantwortung für das Thema Digitalisierung übernehmen und vorbildlich vorangehen, um die Zukunft der Arbeit zu gestalten. Mich wird die Digitalisierung in den kommenden Wochen weiter begleiten: Ende Oktober geht es zu den Social Recruiting Days nach Berlin und Anfang November auf die consozial, die das Motto trägt „Digitalisierung menschlich gestalten“. Alle meine aktuellen Termine findest du hier.

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: